VEDA

veda-vidyā, brahma-vidyā, rāja-vidyā
„Jenen, deren Unwissenheit zerstört worden ist durch göttliches Wissen, offenbart dieses Wissen die transzendentale Absolute Wahrheit.” — Bhagavad-Gītā 5.16

Götter und Dämonen

„Wir alle wissen, daß es keine Götter gibt” las ich kürzlich auf einer Webseite und wenig später hörte ich den gleichen Satz sogar im Radio. In dieser Aussage werden zwei Behauptungen gemacht: 1. es gibt keine Götter und 2. wir alle wissen das. Worauf stützen Leute, die solche Aussagen machen, ihre Behauptungen? Woher wissen sie, was 7 Milliarden Menschen wissen oder nicht wissen, oder wen meinen sie mit „wir alle”? Was meinen sie überhaupt mit „Götter” ?

Nach den Vedas ist das Universum von 8.400.000 Lebensformen bevölkert. Es gibt 900.000 Formen von Wasserlebewesen, 2.000.000 Pflanzenarten, 1.100.000 Millionen Formen von Insekten, 1.000.000 Arten von Vögeln, 3.000.000 Tierarten und 400.000 menschliche Formen. Sie werden geboren aus Eiern, Samen, Schweiß, Exkrementen und Gebärmüttern.

Zu den menschlichen Formen gehören Menschen, Devas (Halbgötter), Daityas (Dämonen), Rakshasas (Fleischfresser, die sich auch gerne am Fleisch und Blut von Menschen laben), Yaksas, Charanas, Bhutas, Pretas (Geister), Vidyadharas, Kinneras, Kimburushas, Siddhas, Gandharvas, Apsaras und andere. All diese Lebensformen existieren auf verschiedenen Planeten im Universum (lokas – Kinnera-loka, Siddha-loka, Gandharva-loka etc.) in drei Hauptwelten – himmlische Planetensysteme, mittlere Planetensysteme und höllische Planetensysteme.

Die Lebensformen sind verschiedene Bedeckungen der spirituellen Seelen, Werkzeuge zur Erfüllung ihrer materiellen Wünsche, bestehend aus verschiedenen Kombinationen der 24 Elemente mahābhūtas, manas, etc. Jenachdem welche Wünsche ein Lebewesen in der menschlichen Lebensform entwickelt und kultiviert, bekommt es von der materiellen Natur einen entsprechenden Körper zur Verfügung gestellt.

Die menschlichen Lebensformen sind speziell für Selbstverwirklichung und Gotteserkenntnis bestimmt; in den anderen Lebensformen besteht diese Möglichkeit nicht. Menschen, die diese Möglichkeit nicht nutzen, werden in den Schriften mit Leuten verglichen, die einen großen Schatz besitzen, diesen aber nicht nutzen, also mit Geizhälzen.

Von der menschlichen Form kann die spirituelle Seele aufwärts oder abwärts im Evolutionszyklus steigen. Das hängt von den Neigungen ab, die ein Mensch unter dem Einfluß der drei guṇas (sattva, rajas und tamas) entwickelt.
(Siehe: 3 Erscheinungsarten der materiellen Natur)

Die Haupthalbgötter – Indra (der Himmelskönig), Varuna (Gottheit der Gewässer), Agni (Gottheit des Feuers), Surya (der Sonnengott), Vayu (Gottheit des Windes), Candra (Mondgott) und andere – regeln als Glieder und treue Diener des Höchsten Herrn zusammen mit ihren Helfern verschiedene Vorgänge im Universum.

Von Zeit zu Zeit kämpfen mächtige Daityas mit ihren Heerscharen gegen die Devas um die Macht im Universum. Manchmal sind die Dämonen siegreich. Dann herrschen auf der Erde und anderen Planeten chaotische Zustände. In den Purāṇas und im Mahābhārata wird von solchen Schlachten erzählt. Wenn die Halbgötter schwächer sind als die Dämonen, suchen sie in ihrer Bedrängnis Zuflucht bei Śrī Viṣṇu. Mit Brahmā an der Spitze begeben sie sich zum Milchozean, wo auf der Svetadvipa genannten Insel Śrī Viṣṇu auf seinem Schlangenbett, Ananta-Sesa, ruht. Der Höchste Herr ist zwar unparteisch, dennoch hilft er den Halbgöttern, da sie bei Ihm Zuflucht suchen, Ihm ergeben sind und seinen Anordnungen Folge leisten.

Entsprechend den Eigenschaften ihrer Natur werden Menschen in Bhagavad-gītā u.a. vedischen Schriften in göttliche und dämonische Naturen unterteilt. (Bhagavad-gītā, Kapitel 16, „Daivasura Sampada Yoga – der Yoga der Unterscheidung zwischen göttlicher und asurischer Natur oder des Verstehens göttlicher und dämonischer Natur ”) Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, die Entwicklung von spirituellem Wissen, Entsagung, Gewaltlosigkeit, Freundlichkeit, Barmherzigkeit, Sauberkeit u.a. sind Eigenschaften der göttlichen Natur und Stolz, Zorn, Gier, Habsucht, Betrug, Ignoranz, Unbarmherzigkeit, Gewalttätigkeit, Härte und Neid etc. sind Eigenschaften der dämonischen Natur.

Das Hauptmerkmal der Menschen mit göttlicher Natur ist, daß sie die Oberhoheit des Höchsten Herrn akzeptieren und ihm dienen, während die Asuras dies nicht tun. Die Halbgötter und andere menschliche Wesen auf den höheren Planetensystemen sind Geweihte des Höchsten Herrn, während die Dämonen die Persönlichkeit des Herrn verleugnen oder auf ihn neidisch sind. Sie halten sich selbst für Götter und die Erde für ihren Spielball.

Die Halbgötter, aber auch Menschen mit göttlicher Natur, werden devas oder suras genannt und die Dämonen asuras oder daityas. Menschen mit dämonischer Natur können die Eigenschaften von devas entwickeln, wenn sie sich dem Höchsten Herrn ergeben. Und man kann auf den himmlischen Planeten unter Halbgöttern wiedergeboren werden, wenn man ein rechtschaffenes Leben führt und die Devas mit Opfern verehrt. Wer jedoch Sri Vishnu verehrt, gelangt in sein glückseliges Reich und muss nicht mehr wiedergeboren werden.

In vielen vedischen Schriften wird immer wieder darauf hingewiesen, dass adharma die Ursache aller Schwierigkeiten und Probleme auf der Erde ist. Dharma ist das göttliche Gesetz, dessen Befolgung zu Glück und Frieden führt. Dharma beinhaltet Anweisungen, Regulierungen, Pflichten im Varnashrama (vedisches Gesellschaftssystem), Regeln für rechtes Verhalten, das was getan werden sollte (yama) und das, was nicht getan werden darf (niyama). Zu yama gehört z.B. die Verehrung des Höchsten Herrn und die Ausführung von Opferungen, das Opfern von Speisen zu Vishnu, zu den Devas, zu den Ahnen. Zu niyama gehören Gewalttätigkeit (es gibt heutzutage unzählige Formen von Gewalttätigkeit), das Töten von Menschen und Tieren, Diebstahl, Betrug, außereheliche und pervertierte Sexualität, das Verbreiten von avidya (Unwissenheit; materielles Wissen, das nur uneingeschränkter Sinnenbefriedigung dient), Herstellung und Verkauf von zerstörischen Waffen, von Gift und von degradierenden Drogen (einschließlich Alkoholika), etc. etc.

Adharma bedeutet Nichtbefolgung von dharma, Missachtung der vedischen Schriften, Gottlosigkeit, Irreligion, Atheismus. Durch adharma in der Gesellschaft, d.h. wenn die Masse der Menschen dharma nicht befolgt und wider die göttliche Ordnung handelt, werden die dämonischen Naturen stark. Das sagen alle großen Lehrer der Menschheit, Lehrer des vedischen Wissen -- Shiva sagt es, Brahma sagt es, Manu sagt es und viele andere.

Das ist ein wichtiger Punkt. Deshalb sind heute die Asuras auf der Erde mächtig. Sie kontrollieren geschickt mittels technischer Errungenschaften die Masse der Menschen durch Lug und Betrug, Gewalt, permanente Propaganda, Einschüchterung, Panikmache, Spaltung, Hetze und so weiter und so fort. Im Mahabharata, diesem großartigen Werk der Wahrheit, heißt es in bezug auf Herrscher im Kali-Yuga:

„Und, oh Herr der Menschen, zahlreiche Mleccha-Regenten herrschen dann über die Erde! Und diese sündigen Mächtigen, die falscher Rede ergeben sind, regieren ihre Untertanen nach falschen Prinzipien.…”

Viele technische Errungenschaften sind in den Händen der Asuras gefährliche Werkzeuge der Zerstörung. Sie sind eine Manifestation von rajas und tamas (Leidenschaft und Unwissenheit) – denn die vedische Weisung, die Devise der Suras lautet: “einfach leben – hoch denken”, sich nicht mit der Erfindung von Techniken und dem Bau von Maschinen, die die Lebensumstände angeblich verbessern sollen, verstricken, sondern mit dem zufrieden sein, was man wirklich braucht zum Leben und die kostbare Lebenszeit für das Studium der offenbarten vedischen Schriften und für hingebungsvollen Dienst zur Persönlichkeit Gottes nutzen, um sich spirituell zu entwickeln. Fortschreitende Technisierung dient hauptsächlich den “großen” Asuras. Die Menschen brauchen keine Massenvernichtungswaffen, Chemiefabriken, fette Maschinen, Fernseher, Roboter und die ganze Masse an Unwissenheit. Das führt nur zu weiterer Verstrickung, weiterer Knechtung.

Ein asurischer Führer ließ 2015 in einem europäischen Land, das damals als wohlhabendes und fortschrittliches Land galt, mehrmals verlauten, dass unbedingt die „Digitalisierung vorangetrieben werden müsse”. Ich dachte damals naiv, „mein Gott, wie jetzt, noch mehr davon? Es ist doch schon alles digitalisiert. Es geht doch schon nichts mehr ohne Computer”. Mittlerweise ist mir klar geworden, wovon dieses Asura da faselte und was der weltweite Plan der Asuras ist.

Ein Ring sie alle zu knechten. . . .” Schon mal gehört? Dieser Satz stammt aus dem Buch „Der Herr der Ringe” von J.R. Tolkien. Dieser Ring ist heute die von Asuras eingesetzte und für ihre Zwecke angewandte und entwickelte digitale Technik zur Knechtung und Beherrschung der Menscheit. Ich will nicht weiter darauf eingehen in diesem Artikel. Andere wissen da besser Bescheid.

Ein ganz wichtiges religiöses Prinzip ist ahimsa, Gewaltlosigkeit allen Lebewesen gegenüber und das heißt insbesondere "stop meat eating", Schluss mit dem barbarischen Massenschlachten von Schweinen, Rindern usw. (Allein in Deutschland wurden im Jahr 2020 ca. 750 Millionen Tiere geschlachtet, 50 Mio. Schweine, 5 Mio Rinder etc.) Jeder, der das in irgendeiner Weise unterstützt, sei es als Tiermäster, als Fleischfresser, Fleischverkäufer, Schlächter oder einfach nur als Kellner, der einem Gast ein Fleisch- oder Wurstgericht serviert, macht sich schuldig und wird zu gegebener Zeit die Reaktionen dafür erhalten.

Die Reaktionen können in Kriegen, Hungersnöten und anderen Schwierigkeiten bestehen, unter denen dann Millionen und aber Millionen von Menschen zu leiden haben. (Und dann heißt es wieder: „Oh, wie konnte das geschehen?”) Denn wer sich anderen Lebewesen gegenüber grausam und unbarmherzig verhält, der darf keine Barmherzigkeit der materiellen Natur ihm gegenüber erwarten. Könnte sein, dass Menschen von anderen Menschen – von den "großen" Asuras – als Tiere, Versuchskaninchen oder Sklaven betrachtet werden und von den vielen kleinen Asuras, ihren hirnlosen Befehlsausführern, dann dementsprechend behandelt werden. Hier sieht man mal wieder, dass alles Leid in Unwissenheit wurzelt (samagram dukhamayat tama vijnane dvayashrayam), wie es im Ayurveda-Klassiker Caraka-Samhita heißt.

Die Asuras können geschwächt und ihrer Herrschaft beraubt werden durch sankirtan-yajña, Massen-Kirtan. D.h. wenn immer mehr Menschen überall in der Welt, in Städten und Dörfern sich regelmäßig versammeln und den Höchsten Herrn gemeinsam durch das Singen Seiner Heiligen Namen mit Begleitung von Musikinstrumenten freudvoll verehren, ist der Höchste Herr persönlich gegenwärtig und beschützt diejenigen, die Ihm auf diese Weise dienen. So findet eine Reinigung des Bewusstseins aller Teilnehmer, aber auch unbeteiligter Außenstehender statt und die Menschen entwickeln wieder göttliche Eigenschaften wie Friedfertigkeit, Reinheit, Duldsamkeit, Enthaltsamkeit, Ehrlichkeit, Gelehrsamkeit, Weisheit, Religiosität, Gewaltlosigkeit, Barmherzigkeit, Furchtlosigkeit, Zufriedenheit, Wahrhaftigkeit und Respekt allen Lebewesen gegenüber als winzige Teilchen des Höchsten. So kann die asurische Mentalität und damit die Herrschaft der Asuras über die Erde allmählich überwunden werden.

Wir haben es mit einem spirituellen Problem zu tun, das nur durch einen spirituellen Vorgang beseitigt werden kann. Im Kali-Yuga ist Sankirtana die beste, effektivste, einfachste und schnellste Methode der Bewusstseinsreinigung, durch die auch die ganze Welt in Ordnung kommen kann. Nur zu jammern und zu klagen und zu warnen vor den üblen Machenschaften der Asuras nützt nichts. Glauben und Beten nützt auch nichts – Handeln im Vertrauen nach den Anweisungen der Vedas ist besser. Den positiven Effekt des gemeinsamen Singens von Hari, Krishna, Rama, Govinda, Gopala und anderer Namen des Höchsten Herrn kann jeder in sich selbst erfahren.