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Fünf Themen des Wissens

5 Themen des Wissens (tattva), die in Bhagavad-gītā und anderen vedischen Schriften behandelt werden, sind:

1. karma (Tätigkeiten, Arbeit)

2. kāla (Zeit)

3. prakṛti (die materielle Natur)

4. jīva (die individuelle Seele)

5. īśvara (der Höchste Herr)
1. Karma

Karma wird dreifach unterteilt in karma, vikarma und akarma.

2. Kāla
„Der Zeitfaktor, der die Umwandlung der verschiedenen materiellen Manifestationen verursacht, ist ein weiterer Aspekt der Höchsten Persönlichkeit Gottes. Jeder, der nicht weiß, daß die Zeit die gleiche Höchste Persönlichkeit ist, fürchtet sich vor dem Zeitfaktor.” (Śrīmad-Bhāgavatam 3.29.37)

Kāla, der Zeitfaktor, die ewige Zeit, ist ein Aspekt des Höchsten Herrn. Zeit setzt die Schöpfung der materiellen Welt in Gang und vernichtet sie wieder. Zeit wird gemessen an Bewegung im Raum, angefangen mit der Bewegung von Atomen (die kleinste Zeiteinheit) bis hin zur Bewegung der Sonne im Universum. Die Sonne bewegt sich auf einer festgesetzten Umlaufbahn im Universum. Ein solcher Umlauf ist auf der Erde ein Jahr und ein Tag und eine Nacht auf den Planeten der Halbgötter. Die nächst größere Zeiteinheit ist ein catur-yuga (4.320.000 Jahre) bestehend aus vier yugas (sattva-, treta-, dvāpara-, kali-yuga), 1000 catur-yugas bilden ein kalpa oder einen Tag Brahmās, der Schöpfergottheit. Seine Nacht währt genauso lang. Brahmās Leben währt 100 Jahre. Wenn man diese Zahlen miteinander multipliziert erhält man die Dauer des Universums nach irdischer Zeitrechnung. Für Mahā-Viṣṇu währt Brahmās Leben so lang wie ein einziger seiner Atemzüge.

„Die ewige Zeit ist die Beherrscherin verschiedener Dimensionen, angefangen mit der des Atoms bis zu den ungeheuer langen Hälften der Lebenszeit Brahmās; nichtsdestoweniger wird sie vom Höchsten Herrn beherrscht. Die Zeit kann nur diejenigen beherrschen, die sich mit einem materiellen Körper identifizieren, selbst wenn sie auf Satyaloka oder anderen höheren Planeten des Universums leben.” (Śrīmad-Bhāgavatam 3.11.39)

In der Zeit handeln die Lebewesen in der materiellen Welt und genießen oder erleiden die Früchte ihrer Handlungen. Im Mahābhārata sagt Indra zu Bali Mahārāja:

„Wahrlich, aufgrund deiner Seelenstärke bist du heute unbewegt in der Not. Welche Person würde noch Vertrauen in seinen Körper oder die Objekte des Verlangens setzen, nachdem sie die Flüchtigkeit aller Dinge im Universum erkannt hat? Wie du weiß auch ich, daß das Universum nicht ewig ist und daß es im Feuer der Zeit brennt. Jeder wird von der Zeit heimgesucht. Alle Dinge werden in der Pfanne der Zeit gebraten. Zeit hat keinen Meister. Zeit ist immer wachsam; niemand kann ihr entkommen. Wie die Strömung eines Flusses einen Baum wegwäscht, dessen Wurzeln sie erreicht, so fegt die Zeit denjenigen hinweg, der sagt 'dies werde ich heute tun und das werde ich morgen tun'. Zeit fegt einen hinweg und Männer rufen aus: 'Ich hab ihn vor kurzem noch gesehen. Wie ist er gestorben?' Reichtum, Komfort und gute Position in der Gesellschaft werden alle Opfer der Zeit. Zeit raubt allen Lebewesen ihr Leben. Allen Dingen, die stolz ihren Kopf heben, ist der Fall bestimmt. Das, was existiert, ist nur eine andere Form des Nicht-Existenten. Alles ist zeitweilig und unbeständig. Zeit ist stark und fegt alles hinweg ohne Unterschied. Jemand, der von der Zeit geschleift wird, ist sich nicht über die Schlinge bewußt, in der sein Hals steckt. Die Leute sind verwirrt von Eifersucht, Eitelkeit, Lust, Zorn, Furcht, Verlangen, Achtlosigkeit und Stolz. Du jedoch besitzt Weisheit und Entsagung. Du siehst die Zeit so klar wie ein Emblem auf deiner Hand....”

Und im Śrīmad-Bhāgavatam unterweist der Höchste Herr Devahuti mit den Worten:

„So wie eine Masse Wolken den mächtigen Einfluß des Windes nicht kennt, so kennt jemand, der in materiellem Bewußtsein tätig ist, nicht die mächtige Stärke des Zeitfaktors, von dem er fortgetragen wird.

Was immer der Materialist mit großer Mühe und Arbeit für sogenanntes Glück schafft, zerstört die Höchste Persönlichkeit Gottes als Zeitfaktor, und aus diesem Grunde klagt die bedingte Seele.

Der irregeführte Materialist weiß nicht, daß sein Körper vergänglich und daß die Anziehung zu Dingen wie Heim, Land und Reichtum, die in Beziehung zu diesem Körper stehen, ebenfalls vorübergehend ist. Aus Unwissenheit allein glaubt er, alles sei beständig.” (Śrīmad-Bhāgavatam 3.30.1-3)
3. Prakṛti

Der unmanifestierte Zustand der materiellen Energie wird pradhana genannt und der manifestierte Zustand prakṛti. Aus prakṛti, der materiellen Natur, gehen alle Dinge im Universum, alle Körper der Lebewesen hervor. Personifiziert ist diese Energie als Durga, Kali u.a. bekannt. Prakṛti bedeutet „das, was genossen wird”. Das Gegenstück dazu ist puruṣa, der Herr und Genießer. Da die Lebewesen in der materiellen Welt versuchen die Manifestationen der materiellen Natur zu genießen, werden sie puruṣa genannt. Aus spiritueller Sicht sind sie jedoch ebenfalls prakṛti, da sie ihrer Natur nach Diener des Höchsten Herrn sind und nicht Genießer. Der Höchste Herr, die Persönlichkeit Gottes, ist der einzige und wahre puruṣa. Er schwängert prakṛti mit den spirituellen Seelen, indem er seinen Blick über sie wirft. Die Höchste Persönlichkeit Gottes hat keinen direkten Kontakt mit der materiellen Energie. In der Form Śivas vereinigt er sich mit Durga und erzeugt so die Lebewesen in der materiellen Welt und ihre Lebensbedingungen.

Prakṛti besteht aus 24 Elementen: 5 mahābhūtas (Erde, Feuer, Wasser, Luft, Raum), 5 Wissen erwerbende Sinne (Haut, Ohren, Augen, Nase, Mund), 5 Arbeitssinne (Hände, Beine, Genital, Rektum, Sprachorgan), 5 indriyarthas (Sinnesobjekte - Berührung, Klang, Form/Farbe, Geruch, Geschmack), ahankāra (falsches Ego), buddhi (Intelligenz), manas (Geist), avyakta (das Unmanifestierte).

Prakṛti dient dem Höchsten Herrn, indem sie den spirituellen Seelen, die sich von Ihm abgewandt haben, eine Möglichkeit bietet, ihre falsches Bewußtsein, sie seien Herren und Genießer, zu korrigieren und in das spirituelle Reich Gottes zurückzugelangen, wo sie ihrer innersten Natur gemäß als Diener des Herrn handeln und mit Ihm genießen.

Wie aus pradhana die Umwandlungen der materiellen Energie hervorgehen, wird im Kapitel ”Die Schöpfung der materiellen Welt” beschrieben.

4. Jīva

Es gibt unzählige jīvas, spirituelle Seelen. Sie sind winzige Teilchen der Höchsten Seele, der Persönlichkeit Gottes. Jede individuelle Seele hat die Möglichkeit, sich entweder dem Höchsten Herrn zuzuwenden oder sich von Ihm abzuwenden. Das ist ihre Freiheit. Wenn sie sich von Ihm abwendet und getrennt von Ihm genießen möchte, gelangt sie in die materielle Welt und erleidet dort - als Folge seiner Taten, die aus dem unreinen Geist hervorgehen - immer wieder Geburt, Alter, Krankheit und Tod in verschiedenen Körpern. Diese Gefangenschaft in der materiellen Welt wird beendet, wenn sich die bedingte Seele mit geläutertem Bewußtsein dem Höchsten Herrn völlig ergibt, indem sie sich in Seinem tranzendentalen Dienst beschäftigt.

In Śrīmad-Bhāgavatam 3.25.16-17 heißt es:

aham mamabhimanotthaih kāma-lobhadibhir malaih
vitam yada manah suddham aduhkham asukham samam

tada puruṣa ātmānam kevalam prakrteh param
nirantaram svayam-jyotir animanam akhanditam


„Wenn man völlig geläutert ist von den Unreinheiten von Lust und Gier, die aus der falschen Identifikation des Körpers als „ich” und körperlichem Besitztümern als „mein” hervorgehen, wird der Geist geläutert. In diesem reinen Stadium transzendiert er sogenanntes materielles Glück und Leid.

Dann kann die Seele sich selbst als transzendental zur materiellen Existenz erkennen und als immer selbstleuchtend, niemals getrennt, obwohl winzig in der Größe.”

A.C. Bhaktivedanta Swami Prabhupada erläutert diese Verse in seiner Übersetzung des Bhāgavatams folgendermaßen:

„In the state of pure consciousness, or Kṛṣṇa consciousness, one can see himself as a minute particle nondifferent from the Supreme Lord. As stated in Bhagavad-gītā, the jīva, or the individual soul, is eternally part and parcel of the Supreme Lord. Just as the sun's rays are minute particles of the brilliant constitution of the sun, so a living entity is a minute particle of the Supreme Spirit. The individual soul and the Supreme Lord are not separated as in material differentiation. The individual soul is a particle from the very beginning. One should not think that because the individual soul is a particle, it is fragmented from the whole spirit. Mayavada philosophy enunciates that the whole spirit exists, but a part of it, which is called the jīva, is entrapped by illusion. This philosophy, however, is unacceptable because spirit cannot be divided like a fragment of matter. That part, the jīva, is eternally a part. As long as the Supreme Spirit exists, His part and parcel also exists. As long as the sun exists, the molecules of the sun's rays also exist.

The jīva particle is estimated in the Vedic literature to be one ten-thousandth the size of the upper portion of a hair. It is therefore infinitesimal. The Supreme Spirit is infinite, but the living entity, or the individual soul, is infinitesimal, although it is not different in quality from the Supreme Spirit. Two words in this verse are to be particularly noted. One is nirantaram, which means „nondifferent,” or „of the same quality.” The individual soul is also expressed here as animanam. Animanam means „infinitesimal.” The Supreme Spirit is all-pervading, but the very small spirit is the individual soul. Akhanditam means not exactly „fragmented” but „constitutionally always infinitesimal.” No one can separate the molecular parts of the sunshine from the sun, but at the same time the molecular part of the sunshine is not as expansive as the sun itself. Similarly, the living entity, by his constitutional position, is qualitatively the same as the Supreme Spirit, but he is infinitesimal.”
5. Īśvara

Īśvara, der Höchste Herr, ist allwissend, während jīva nur begrenztes Wissen besitzt. Beide sind ewige Wesen und besitzen spirituelle Eigenschaften. Sie sind lebendig, besitzen Persönlichkeit und sind sich ihrer Identität bewußt.

Īśvara ist vollkommen unabhängig. Er ist Meister aller Energien. Er inkarniert sich im Universum und kontrolliert es. Er gewährt den spirituellen Seelen, die in materiellen Körpern weilen, sowohl materiellen Genuß als auch endgültige Befreiung. Obwohl eins, manifestiert Er sich in vielen Formen. Diejenigen, die die transzendentale Wissenschaft kennen, erklären, daß Īśvara nicht verschieden ist von Seinen eigenen transzendentalen Formen und Seinen Eigenschaften. Er kann nicht wahrgenommen werden mit materiellen Sinnen, aber durch bhakti, hingebungsvollen Dienst. Er ist unwandelbar. Er offenbart Seine eigene spirituelle, glückselige Form Seinen reinen Geweihten, die Ihm in Hingabe dienen und frei sind von Dualitäten und der Verunreinigung durch die drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur.

Brahman, paramātmā, bhagavan sind drei Aspekte des Höchsten Wesens, der Absoluten Wahrheit. Sie wird in diesen Aspekten erfahren, gemäß dem Wunsch oder der Sicht der Lebewesen.

Zusammenfassung

Die vedischen Schriften sind die einzige Quelle des Wissens über die Absolute Wahrheit. In keiner Schrift außerhalb der vedischen Kultur wird die Absolute Wahrheit in ihren drei Aspekten erklärt, Wissen über die Persönlichkeit Gottes schon gar nicht. Śrī Kṛṣṇa ist die ursprüngliche Persönlichkeit Gottes (kṛṣṇas tu bhagavan svayam..., īśvarah paramah kṛṣṇah....). Alles geht von Ihm aus und wird von Ihm durchdrungen. In der Bhagavad-Gītā (15.15) sagt der Herr, daß Er das Ziel des vedischen Wissens ist, daß er der Verfasser des Vedānta-sutra ist und daß Er der Kenner der Veden ist. Er ist der Meister zahlloser Energien. Unwissende religiöse Philosophen streiten aufgrund dualistischer Sicht und mangelnder Intelligenz darüber, ob Gott eine Person ist, getrennt von allem, oder ob Er alles ist ohne Persönlichkeit. Aus den vedischen Schriften erfahren wir, daß Kṛṣṇa unbegreiflicherweise gleichzeitig eins mit allem und dennoch verschiedenen von allem ist (acintya bhedabheda tattva). Er allein kann die bedingten Seelen in der materiellen Welt von allen Leiden befreien. Halbgötter wie Brahmā, Śiva, Surya, Indra etc. können den Menschen Segnungen gewähren, durch die sie materielle Vorteile erlangen können, aber nicht endgültige Befreiung und Liebe zu Gott.

Die vielen jīvas (spirituelle Seelen) leben in verschiedenen Bedingungen der Existenz in der materiellen und der spirituellen Welt. Es gibt zwei Arten von jīvas: nitya-siddhas (ewig befreite Seelen) und nitya-bandhas (ewig bedingte Seelen). Jivas, die dem Höchsten Herrn von Anfang an zugeneigt sind (nitya-siddhas), leben ewig in der spirituellen Welt. Jivas, die der Persönlichkeit Gottes abgeneigt sind, sind durch Illusion gebunden und leben in der materiellen Welt. Andere nitya-bandhas wenden sich Ihm irgendwann zu und werden schließlich frei von der Bindung materieller Illusion, die die Form und Eigenschaften des Herrn verbirgt. Durch die Gnade des Herrn werden sie befähigt, die Persönlichkeit Gottes von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

Karma ist zeitweilig - sein Anfang kann zwar nicht ausfindig gemacht werden, doch hat es ein Ende, wenn das Lebewesen Befreiung erlangt durch Hingabe zum Höchsten Herrn. Die vier tattvas Īśvara, jīva, prakṛti und kāla dagegen sind ewig.

In den vedischen Schriften heißt es:

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„Unter allen ewigen Lebewesen gibt es ein Höchstes Lebewesen. Unter allen bewußten Wesen gibt es ein höchstes bewußtes Wesen, das seit unvordenklichen Zeiten alle Lebewesen erhält.”
(-- Śvetaśvatara Upaniṣad 6.13)

gaur anady anantavati

„Prakṛti ist wie eine Kuh, die niemals geboren wurde und niemals stirbt”
(-- Culika Upaniṣad, mantra 5)

Die jīvas, prakṛti und kāla sind īśvara untergeordnet und unterliegen Seiner Kontrolle. Dies wird in Śvetaśvatara Upaniṣad (6.16) bestätigt:

sa visva-krd visva-vid ātmā-yonir
jnah kāla-karo guni sarva-vid yah
pradhana-ksetrajna-patir gunesah
saṁsāra-mokṣa-sthiti-bandha-hetuh


„Die Höchste Persönlichkeit Gottes ist der Schöpfer der materiellen Universen. Er ist der Schöpfer von allem, was in den Universen existiert. Er ist der Vater aller Lebewesen. Er ist der Schöpfer der Zeit. Er ist voller transzendentaler Tugenden. Er ist allwissend. Er ist der Meister von pradhana, der unmanifestierten materiellen Natur. Er ist der Meister der guṇas, der drei Erscheinungsweisen der materiellen Natur. Er ist ksetrajnah, der Meister der individuellen spirituellen Seelen, die in materiellen Körpern weilen. Er bindet die bedingten Seelen an die materielle Welt und Er ist auch ihr Befreier.”