Vers
VEDA
jñānena tu tad ajñānam yeṣāṃ nāśitam ātmanaḥ | teṣām ādityavaj jñānaṃ prakāśayati tat param
„Wie die Sonne Dunkelheit vertreibt und alles erleuchtet, so zerstört göttliches Wissen Unwissenheit und enthüllt die transzendentale Absolute Wahrheit.“ — Bhagavad-Gītā 5.16

Die vedischen Schriften

sarvasya cāhaṃ hṛdi sanniviṣṭo mataḥ smṛtir jñānam apohanaṃ ca | vedaiś ca sarvair aham eva vedyo vedānta kṛd veda-vid eva cāham
„Ich weile im Herzen eines jeden, und von mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Das Ziel aller Veden ist es, Mich zu erkennen. Wahrlich, ich bin der Verfasser des Vedānta, und ich bin der Kenner der Veden.“
— Bhagavad-gītā 15.15

Folgende bedeutende vedische Schriften sollen hier in Kürze vorgestellt werden:

Mahābhārata

Vor etwas mehr als fünftausend Jahren, am Ende des Dvāpara-Zeitalters, ereignete sich in Kurukṣetra (Nordindien) eine große Schlacht, bei der Millionen von heldenhaften Kriegern, angeführt von den mächtigsten Kṣatriya-Königen der Welt, ihr Leben ließen. Kurz bevor die Schlacht begann unterwies Kṛṣṇa, der Höchste Herr, der die Rolle des Wagenlenkers vom Bharata-Helden Arjuna angenommen hatte, seinen Freund und Schüler in der Wissenschaft der Selbst- und Gotteserkenntnis, die von großen Weisen in verschiedenen vedischen Schriften erklärt wird. Die Schlacht selbst, wie es dazu kam und was danach geschah, wird von Dvaipāyana Vyāsa in seinem über einhunderttausend Doppelverse umfassenden Werk Mahābhārata geschildert.

Das Mahābhārata ist unterteilt in 18 Bücher oder Abschnitte: (1) Ādi-parvan, (2) Sabhā-parvan, (3) Āraṇyaka-parvan, (4) Virāṭa-parvan, (5) Udyoga-parvan, (6) Bhīṣma-parvan, (7) Droṇa-parvan, (8) Karṇa-parvan, (9) Śalya-parvan, (10) Sauptika-parvan, (11) Strī-parvan, (12) Śānti-parvan, (13) Anuśāsana-parvan, (14) Aśvamedhika-parvan, (15) Āśramavasika-parvan, (16) Mausala-parvan, (17) Mahāprasthānika-parvan und (18) Svargārohaṇa-parvan. In einem philosophisch-spirituellen Sinne ist es »tief wie der Ozean«; allein die Bhagavad-Gītā, die nur 700 Verse umfasst und aus den Kapiteln 25–42 des Bhīṣma-parvan besteht, ist unauslotbar. Man kann sie immer wieder studieren und wird jedesmal neue Erkenntnisse erhalten. Die Weisheit des Mahābhārata lässt sich kaum vermitteln in ihrer ganzen Tiefe in der Form eines Taschenbuchs oder Fernsehspiels oder Kinofilms jener Geschichte der fünf Söhne König Pāṇḍus, die allgemein als das Mahābhārata bekannt ist.

Wir hören im Mahābhārata von den großen Helden der Bharata-Dynastie, den Pāṇḍavas, den fünf Söhnen König Pāṇḍus. Der rechtschaffene und gerechte Yudhiṣṭira, Pāṇḍus ältester Sohn, wurde sein Thronfolger und Herrscher über die Welt. Aber er konnte nicht lange regieren, denn er wurde von seinen neidischen Vettern, den Kauravas, angeführt von Duryodhana, dem ältesten Sohn Dhṛtarāṣṭras, durch List und Tücke seiner Herrschaft beraubt und musste mit seinen Brüdern und ihrer gemeinsamen Gemahlin Draupadi dreizehn Jahre in der Verbannung leben. Das Mahābhārata erzählt wie ihnen von den Söhnen ihres Onkels Dhṛtarāṣṭra und deren Verbündeten, immer wieder Schwierigkeiten bereitet wurden; wie sie für die gerechte Sache kämpften und mit Śrī Kṛṣṇas Hilfe schließlich aller Feinde ledig wurden und dann die Welt in vollkommener Weise regierten. Zu jener Zeit war Hastināpura die Hauptstadt der zivilisierten Welt. Hastināpura (»die Stadt der Elefanten«) lag ungefähr dort, wo heute Neu-Delhi liegt. Es gab damals zwar viele Königreiche, aber die Könige waren einem Herrscher, nämlich Mahārāja Yudhiṣṭira, dem ältesten Sohn König Pāṇḍus, tributpflichtig. Yudhiṣṭira war ein rājarṣi, ein Heiliger in der Rolle eines Herrschers über die Erde.

Wir hören weiter von den Devas, den großen Halbgöttern, und anderen Lebewesen auf anderen Planeten; von Yogis und Asketen, die in herrlichen Wäldern und an heiligen Flüssen lebten, und die durch die Kraft ihrer Askese fähig waren, jemanden zu verfluchen oder zu segnen und andere mystische Kräfte besaßen. Im Mahābhārata wird von den heiligen Königen der Vergangenheit erzählt, von ihrer Tapferkeit und ihrem Heldentum; von der Dynastie, in der König Pāṇḍu erschien; von Ṛṣis (heilige Seher); von Apsaras (himmlische Gesellschaftsmädchen), die mit ihrer Schönheit, Anmut, Gesang und Tanz jeden Mann betören konnten; und von wunderschönen Prinzessinen, um deren Gunst viele starke Könige warben und für die mancher sein Leben lassen mußte.

Im Mahābhārata wird das Bild einer vergangenen Kultur gezeichnet, die gänzlich auf die ewigen Werte der Vedas ausgerichtet war. Und wir begegnen dem unvergänglichen Kṛṣṇa, Herr der Welten und Ursprung und Ziel aller vedischen Schriften. Er erschien aus seinem ewigen Reich auf der Erde, um sie von der Last zahlloser mächtiger, gottloser Könige zu befreien, die Rechtschaffenen zu beschützen und die Prinzipien der ewigen Religion (sanātana-dharma) wieder einzuführen. Nur wenigen großen Seelen war es durch ihre Reinheit vergönnt, durch den Schleier seiner māyā zu schauen und ihn als den großen Lenker hinter der Weltbühne und den verehrenswerten Herrn eines jeden Individuums zu erkennen.

Die Geschichte der Welt vom Anfang der Schöpfung bis zur Vernichtung des Universums ist im Mahābhārata enthalten. Seit Ewigkeiten werden Universen immer wieder erschaffen und vernichtet. Welchen Sinn hat dies alles? Was ist der Plan dahinter? Die Vedas lehren uns, dass es nicht möglich ist, durch mentale Spekulation die Geheimnisse des Lebens zu lüften, weil wir unvollkommen sind. Wir haben unvollkommene Sinne, einen unvollkommenen Verstand; wir unterliegen der Täuschung; wir begehen Fehler, und wir haben die Neigung zu betrügen. Deshalb ist es notwendig, Wissen aus höheren Quellen zu empfangen. Der moderne Mensch, besonders die Götter der sogenannten zivilisierten Welt, die Wissenschaftler, verlassen sich in der Wissensaneignung mit ihrem begrenzten Verstand und ihrer begrenzten Sicht der Dinge nur auf ihre unvollkommenen Sinne und auf ihre künstlichen Instrumente sinnlicher Wahrnehmung (wie Mikroskope, Fernrohre etc.).

Athāto brahma-jijñāsā heißt es im Vedānta-sūtra – »nun, da du die menschliche Lebensform erreicht hast, ist es an der Zeit, nach Erkenntnis der Absoluten Wahrheit zu streben«. Wie diese Erkenntnis erreicht werden kann, worin sie besteht und was immer es sonst noch zu wissen gibt über diese Welt und ihre Gesetze, ist in den Vedas enthalten. Das Mahābhārata wird als der fünfte Veda bezeichnet und ist die am leichtesten verständliche Schrift, die solches Wissen enthält. Deshalb ist das Mahābhārata besonders für die Menschen dieses Zeitalters gedacht, die zwar im materiellen Wissen sehr fortgeschritten sind, spirituelles Wissen aber nur schwer begreifen können. Und den weniger intelligenten Menschen, die sehr angehaftet sind ans materielle Dasein, zeigt das Mahābhārata viele Methoden, wie man sich wirtschaftlich entwickeln kann, ohne dabei sich selbst und anderen zu schaden und den Lebensraum zu zerstören, wie man auf rechtschaffene Weise seine materiellen Wünsche erfüllen und wie man nach dem Tod sogar auf himmlische Planeten, auf denen der Standard des Genusses größer und die Lebensdauer länger ist als auf der Erde, erhoben werden kann.

Śrīla Vyāsadeva, der größte Schriftsteller aller Zeiten, dessen Intelligenz unermesslich ist und von dem es heißt, dass er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennt, verfasste das Vedānta-sūtra, das Mahābhārata und andere vedische Schriften und zuletzt das Śrīmad-Bhāgavatam in Sanskrit, um den Ruhm der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, und seiner reinen Geweihten zu verbreiten und mit der letztlichen Absicht, die gefallenen Seelen, die in der materiellen Welt im Kreislauf der Geburten immer wieder von einem Körper zum nächsten wandern und endlos leiden, zu befreien und sie auf die Ebene reiner glückseliger Existenz jenseits der Dualitäten dieser Welt zu erheben.

Anmerkungen

Obiger Text ist ein Auszug aus der Einleitung von Mahabharata – Juwel der Poeten von Srikanta Sena. Das Werk ist eine dreiteilige Zusammenfassung des MAHABHARATA bestehend aus:

  1. Nacherzählung der Hauptgeschichte (die Geschichte der Pandavas)
  2. Philosophische und spirituelle Essenz des Mahabharata in Form von Zitaten
  3. Lehrreiche Geschichten im Mahabharata

Ein kurzer Auszug aus dem ersten Teil des Buchs: Die Geschichte der Pandavas

Dieses Werk ist auf CD und als Download in 2 Formaten erhältlich: PDF-Datei und Epub-Datei für Ebook-Reader. Die PDF-Version enthält auch Vertonungen von drei Geschichten des Abschnitts "Geschichten, die die Weisen erzählen" mit Text und Musik. Leseproben gibt es beim Atmarama Verlag. Folge dem Link.