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Die vedischen Schriften

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„Ich weile im Herzen eines jeden, und von mir kommen Erinnerung, Wissen und Vergessen. Das Ziel aller Veden ist es, Mich zu erkennen. Wahrlich, ich bin der Verfasser des Vedānta, und ich bin der Kenner der Veden.” (Bhagavad-gītā 15.15)
[Mit diesen Worten unterweist uns der Höchste Herr, Śrī Kṛṣṇa, in der Bhagavad-Gītā.]

Folgende bedeutende vedische Schriften sollen hier in Kürze vorgestellt werden:

Mahābhārata

Vor etwas mehr als fünftausend Jahren, am Ende des dvāpara-Zeitalters, ereignete sich in Kuruksetra (Nordindien) eine große Schlacht, in der Millionen von heldenhaften Kriegern, angeführt von den mächtigsten Ksatriya-Königen der Welt, ihr Leben ließen. Kurz bevor die Schlacht begann, unterwies Kṛṣṇa, der Höchste Herr, der die Rolle des Wagenlenkers vom Bharata-Helden Arjuna angenommen hatte, seinen Freund und Schüler in der Wissenschaft der Selbst- und Gotteserkenntnis, die von verschiedenen großen Weisen in verschiedenen vedischen Schriften erklärt wird. Die Schlacht selbst, wie es dazu kam und was danach geschah, wird von Dvaipayana Vyāsa in seinem über einhunderttausend Doppelverse umfassenden Werk Mahābhārata geschildert.

Das Mahābhārata ist unterteilt in 18 Bücher oder Abschnitte – (1) adiparvan, (2) Sabhaparvan, (3) Aranyakaparvan, (4) Virataparvan, (5) Udyogaparvan, (6) Bhismaparvan, (7) Dronaparvan, (8) Karnaparvan, (9) Salyaparvan, (10) Sauptikaparvan, (11) Striparvan, (12) Santiparvan, (13) Anusasanaparvan, (14) Asvamedhikaparvan, (15) Asramavasikaparvan, (16) Mausalaparvan, (17) Mahaprasthanikaparvan, (18) Svargarohanaparvan. In einem philosophisch spirituellen Sinne ist es „tief wie der Ozean”; allein die Bhagavad-Gītā, die nur 700 Verse umfaßt und ein Kapitel im Bhismaparva ist, ist unauslotbar. Man kann sie immer wieder studieren und wird jedesmal neue Erkenntnisse erhalten. Immer ist von Weisheit die Rede, wenn vom Mahābhārata gesprochen wird. Die Weisheit des Mahābhārata läßt sich kaum vermitteln in ihrer ganzen Tiefe in der Form eines Taschenbuchs oder Fernsehspiels oder Kinofilms jener Geschichte der fünf Söhne König Pandus, die allgemein als das Mahābhārata bekannt ist.

Wir hören im Mahābhārata von den großen Helden der Bharata-Dynastie, den Pandavas, wie sie betrogen wurden, wie ihnen immer wieder Schwierigkeiten bereitet wurden, wie sie für die gerechte Sache kämpften und mit Śrī Kṛṣṇas Hilfe schließlich aller Feinde ledig wurden und die Welt in vollkommener Weise regierten. Das war vor etwas mehr als fünftausend Jahren, als Hastinapura, die Hauptstadt der zivilisierten Welt war. Es gab damals zwar viele Königreiche, aber die Könige waren einem Herrscher, nämlich Mahārāja Yudhistira, dem ältesten Sohn König Pandus, tributpflichtig. Yudhistira war ein rajarsi, ein Heiliger in der Rolle eines Herrschers über die Erde.

Wir hören weiter von den Devas, den großen Halbgöttern, und anderen Lebewesen auf anderen Planeten; von yogins, die mit ihren mystischen Kräften ganze Planeten erschaffen oder andere für Menschen unserer Zeit unglaubliche Dinge tun konnten und von Asketen in den Wäldern, die durch die Kraft ihrer Askese fähig waren, jemanden zu verfluchen oder zu segnen. Im Mahābhārata wird von den heiligen Königen der Vergangenheit erzählt, von ihrer Tapferkeit und ihrem Heldentum; von der Dynastie, in der König Pandu erschien; von ṛṣis (großen Weisen); von apsaras (himmlische Gesellschaftsmädchen), die mit ihrer Schönheit jeden Mann betören konnten; und von wunderschönen Prinzessinen, um deren Gunst viele starke Könige warben und für die mancher sein Leben lassen mußte. Im Mahābhārata wird das Bild einer vergangenen Kultur gezeichnet, die gänzlich auf die ewigen Werte der Vedas ausgerichtet war. Und wir begegnen dem unvergänglichen Kṛṣṇa, Herr der Welten und Ursprung und Ziel aller vedischen Schriften. Er erschien aus seinem ewigen Reich auf der Erde, um sie von der Last zahlloser mächtiger, gottloser Könige zu befreien, die Rechtschaffenen zu beschützen und die Prinzipien der ewigen Religion (sanātana-dharma) wieder einzuführen. Nur wenigen großen Seelen war es durch ihre Reinheit vergönnt, durch den Schleier seiner māyā zu schauen und ihn als den großen Lenker hinter der Weltbühne und den verehrenswerten Herrn eines jeden Individuums zu verstehen.

Die Geschichte der Welt vom Anfang der Schöpfung bis zur Vernichtung des Universums ist im Mahābhārata enthalten. Seit Ewigkeiten schon werden Universen immer wieder erschaffen und vernichtet. Welchen Sinn hat dies alles? Was ist der Plan dahinter? Die Vedas lehren uns, daß es nicht möglich ist, durch mentale Spekulation die Geheimnisse des Lebens zu lüften, weil wir unvollkommen sind. Wir haben unvollkommene Sinne, einen unvollkommenen Verstand; wir unterliegen der Täuschung; wir begehen Fehler, und wir haben die Neigung zu betrügen. Deshalb ist es notwendig, Wissen aus höheren Quellen zu empfangen. Der moderne Mensch, besonders die Götter der sogenannten zivilisierten Welt, die Wissenschaftler, verlassen sich in der Wissensaneignung mit ihrem begrenzten Verstand und ihrer begrenzten Sicht der Dinge nur auf ihre unvollkommenen Sinne und auf ihre künstlichen Instrumente sinnlicher Wahrnehmung (wie Mikroskope, Fernrohre etc.), die so unvollkommen sind wie ihre Hersteller.

Wissen, das keinen höheren Zweck verfolgt als die Befriedigung der Sinne, wird in den Vedas als Unwissenheit bezeichnet. Und eine Gesellschaft, die nur nach solchem Wissen strebt, bezeichnen die Weisen im Mahābhārata als eine Gesellschaft zweibeiniger Tiere. Die vier Grundbedürfnisse der Lebewesen (Nahrung, Wohnung, Verteidigung und Sinnenbefriedigung), werden in allen Lebensformen befriedigt. Die Vedas lehren uns, uns nicht mit der bloßen Verfeinerung dieser vier Grundbedürfnisse zu verstricken, sondern das Beste aus einem „schlechten Geschäft”, dem verkörperten Dasein, zu machen. Wenn jemand einen großen Schatz besitzt und ihn einfach nur irgendwo in einer Truhe auf dem Speicher stehen läßt, ohne jemals etwas damit anzufangen, wird er als ein Geizhals bezeichnet. In ähnlicher Weise bezeichnen die Schriften einen Menschen als Geizhals, der nur für die Befriedigung seiner Sinne arbeitet, anstatt den wertvollen Schatz der menschlichen Lebensform für Selbsterkenntnis zu nutzen. Athato brahma-jijñasa heißt es im Vedānta-sūtra – „nun, da du die menschliche Lebensform erreicht hast, ist es an der Zeit, nach Erkenntnis der Absoluten Wahrheit zu streben”. Wie diese Erkenntnis erreicht werden kann, worin sie besteht und was immer es sonst noch zu wissen gibt über diese Welt und ihre Gesetze, ist in den Vedas enthalten. Das Mahābhārata wird als der fünfte Veda bezeichnet und ist die am leichtesten verständliche Schrift, die solches Wissen enthält. Deshalb ist das Mahābhārata besonders für die Menschen dieses Zeitalters gedacht, die zwar im materiellen Wissen sehr fortgeschritten sind, spirituelles Wissen aber nur schwer begreifen können. Und den weniger intelligenten Menschen, die sehr angehaftet sind ans materielle Dasein, zeigt das Mahābhārata viele Methoden, wie man sich wirtschaftlich entwickeln kann, ohne dabei sich selbst und anderen zu schaden und den Lebensraum zu zerstören, wie man auf rechtschaffene Weise seine materiellen Wünsche erfüllen und wie man nach dem Tod sogar auf himmlische Planeten, auf denen der Standard des Genusses größer und die Lebensdauer länger ist als auf der Erde, erhoben werden kann.

Śrīla Vyāsadeva, der größte Schriftsteller aller Zeiten, dessen Intelligenz unermeßlich ist und von dem es heißt, daß er Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft kennt, verfaßte das Mahābhārata – nachdem er die Vedas, Vedānta-sutra und andere vedische Schriften verfaßt hatte – vor etwa fünftausend Jahren in Sanskrit, der Sprache der Gelehrten und Könige der vedischen Kultur, um den Ruhm der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Śrī Kṛṣṇa, und seiner reinen Geweihten, den Pandavas, zu verbreiten und mit der letztlichen Absicht, die gefallenen Lebewesen auf die Ebene reiner glückseliger Existenz jenseits der Dualitäten dieser Welt zu erheben.

Die ursprüngliche Form des Mahābhārata umfaßte sechs Millionen Verse! Dies zu glauben, mag einem schwer fallen – man sollte sich aber darüber bewußt sein, daß Śrīla Vyāsadeva kein gewöhnlicher Mensch ist. Er verfaßte das Mahābhārata im Geist und ließ es vom Halbgott Ganesa niederschreiben. Vyāsadeva lehrte das Bharata seinem Schüler Vaisampayana, der es in einer einhunderttausend Verse umfassenden Form nach dem Schlangenopfer König Janamejayas den versammelten Weisen, brāhmanas und kṣatriyas vortrug. Narada Muni sprach das Mahābhārata zu den Devas. Seine Edition umfaßte drei Millionen Verse. Der Weise Devala trug es den Pitrs vor in einer 1,5-Millionen-Verse-Form. Und Śukadeva Gosvami brachte das Bharata zu den Gandharvas, Yaksas und Raksasas. Die Menschen haben sozusagen die Taschenbuchausgabe des Mahābhārata bekommen. Dies ist nicht weiter verwunderlich, denn, wie wir aus den offenbarten Schriften erfahren, sind die Menschen der Erde von den aufgezählten Rassen die kurzlebigsten und unintelligentesten. Die Pitrs, Devas, Gandharvas, Yaksas und Raksasas leben auf anderen Planeten. Von ihnen wird später noch zu hören sein.

Obiger Text ist die Einleitung zu Mahābhārata - Juwel der Poeten, einer Bearbeitung des Mahābhārata. Dieses Werk ist als CD-ROM-Version erhältlich bei: www.arogyam.de. Es enthält auch Vertonungen von Texten.

Sie können das erste Kapitel des ersten Teils dieses Werks >>
und das letzte Kapitel aus dem zweiten Teil >> hier lesen.