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Drei Pfade des Wissens

Karma-kāṇḍa, jñāna-kāṇḍa, upasana-kāṇḍa sind drei Pfade des Wissens, die in den Vedas behandelt werden. Sie werden auch karma-yoga, jñāna-yoga und bhakti-yoga resp. genannt. Menschen, die dem karma-Pfad folgen, werden karmis genannt; Menschen, die dem jñāna-Pfad folgen, werden jñānis genannt und Menschen, die bhakti-yoga praktizieren, werden bhaktas genannt. Von diesen drei Gruppen sind die karmis Materialisten und die jñānis und bhaktas sind Transzendentalisten.

Karma-kāṇḍa lehrt die Verbesserung der Lebensumstände, das Erlangen von materiellem Glück, die Erhebung auf himmlische Planeten durch karma, d.h. fromme Handlungen wie die Erfüllung der religiösen Pflichten im varnāśrama-dharma, yajña (das Durchführen von Opferhandlungen), Verehrung der devas (Halbgötter), dana (das Geben von Spenden an würdige Personen), Pilgerreisen, Gastfreundschaft, ahimsa (Gewaltlosigkeit), brahmacarya (Geschlechtsverkehr nur mit dem angetrauten Partner und nur zur Zeugung von rechtschaffenen Nachkommen), tapasya (Entsagung), Gelübde, u.a. Selbst die Verehrung des Höchsten Herrn um materieller Ziele willen, ist materialistisch.

Jñāna-kāṇḍa ist für Menschen gedacht, die durch jñāna (Wissen; philosophische Analyse der materiellen Natur) nach Befreiung aus saṁsāra-cakra („Rad des Lebens”; Kreislauf von Geburt und Tod) streben. Befreiung bedeutet für jñānis Auflösung der Individualität und Einswerden werden mit dem brahman, der alldurchdringenden spirituellen Energie. Um das zu erreichen, nehmen sie große Entsagungen auf sich (vairagya). Sie müssen allmählich alle Wünsche und Tätigkeiten, die sie an die materielle Welt binden, aufgeben und sich mit brahman identizifieren, um ihr Ziel zu erreichen. Es kann mehrere Leben dauern, bis das Ziel erreicht ist, vorausgesetzt der jñāna-yogin ist entschlossen und kommt nicht zu Fall durch den Einfluß māyās, der illusionierenden Energie des Höchsten Herrn. Dieser Yoga-Pfad ist trocken, äußerst beschwerlich und das Erreichen des Ziels ist ungewiß.

Mantras, die von jñānis gebraucht werden, sind z.B.: neti, neti („nicht dies, nicht dies” - „ich bin nicht der Körper, nicht der Geist, nicht die Intelligenz......”), aham brahmasmi („ich bin brahman”), tat tvam asi („das bist du”). Das „du” in tat tvam asi bezieht sich eigentlich auf die Persönlichkeit Gottes, denn sie ist letztlich alles. Aber jñānis beziehen es auf sich selbst als brahman. Die individuellen spirituellen Seelen sind winzige Teilchen des Ganzen, nicht aber das Ganze selbst. Mit aham brahmasmi mache ich mir bewußt, daß ich meinem Wesen nach spirituelle Energie bin wie brahman. Ich bin aber nur ein winziges Teilchen des brahman, wie Lichtpartikel ein Teil der Sonne sind. Jñānis sagen auch: brahma satyam jagan mithya - „brahman ist wirklich, die Welt ist unwirklich”.

Jñānis werden als Impersonalisten bezeicht, weil sie nicht an der Persönlichkeit Gottes interessiert sind. Eine Art von Impersonalisten wird Mayavadi genannt, da sie den Höchsten Herrn für ein Produkt māyās, der illusionierenden Energie, halten. Das ist der größte Frevel gegen den Herrn. Manche Mayavadis rezitieren sogar mantras, mit denen Vaiṣṇavas (Geweihte Viṣṇus, Kṛṣṇas) die Persönlichkeit Gottes verehren. Aber da sie diese mantras als ein Mittel nehmen, um mit brahman eins zu werden und da sie den Höchsten Herrn als ein Produkt māyās betrachten, sind sie verdammt in höllischen Lebensformen wiedergeboren zu werden. Spirituelle Klangschwingungen aus dem Mund von Mayavadis sind Gift, genauso wie Milch, die von einer Schlangenzunge berührt wurde.

Manche jñāna-yogis sind sich darüber bewußt, daß es einen Höchsten Herrn gibt, von dem brahman ausgeht. Sie wissen, daß brahman ein Aspekt der Absoluten Wahrheit ist. Andere jñānis sind sich nicht darüber bewußt. Wenn ein jñāni mit bhakti-yogis (Geweihte des Höchsten Herrn) Gemeinschaft pflegt und allmählich einen höheren Geschmack erfährt, mag er seine Neigung mit dem brahman zu verschmelzen, aufgeben und ebenalls ein Verehrer der Persönlichkeit Gottes werden und sich liebevoll in Seinem Dienst beschäftigen.

Upasana-kāṇḍa lehrt den Vorgang, durch den man Liebe zu Gott entwickelt. Das Ziel der Menschen, die sich diesem Vorgang ergeben, ist die Persönlichkeit Gottes und letztendlich Rückkehr in die spirituelle Welt, das ewige Reich Gottes. Menschen, die upasana-kāṇḍa folgen, werden bhaktas (bhakti-yogis) oder vaiṣṇavas genannt. Es gibt viele vedische Schriften, in denen bhakti-yoga gelehrt wird, z.B. Bhagavad-gītā, Śrīmad-Bhāgavatam, Bhakti-rasamrita-sindhu. Jedes Lebewesen ist seiner Natur nach ein ewiger Diener des Höchsten Herrn und Liebe zu Gott ist ewiglich im Herzen eines jeden Lebewesens vorhanden. Die menschliche Lebensform bietet die Möglichkeit diese schlummernde Liebe durch bhakti-yoga zu erwecken. Wenn eine spirituelle Seele die menschliche Lebensform erhalten hat und sie nicht nutzt, um zu lernen, sich im liebevollen Dienst des Höchsten Herrn zu beschäftigen, kann es sehr lange dauern, bis sie wieder die Gelegenheit dazu bekommt. Die menschliche Lebensform ist wie ein Schatz, den man nicht ungenutzt lassen sollte.

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„Nur durch hingebungsvollen Dienst kann man Mich wahrhaft verstehen. Und wenn man sich durch solche Hingabe völlig über Mich bewußt ist, kann man in das Königreich Gottes eingehen.” (B.-g. 18.55)

Bhakti-yoga ist nicht schwierig zu praktizieren, aber muß diesen Vorgang von einem Experten erlernen, der selbst bhakti-yoga praktiziert und dem Höchsten Herrn völlig ergeben ist. Prahlad Mahārāja nennt im Śrīmad-Bhāgavatam neun Vorgänge des hingebungsvollen Dienstes zu Gott:

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„Prahlada Mahārāja sagte: Über Śrī Viṣṇus transzendentalen Heiligen Namen, über Seine Gestalt, über Seine Eigenschaften, über Seinen Besitz und über Seine Spiele zu hören [sravanam] und zu sprechen (oder sie zu besingen) [kirtanam], sich an sie zu erinnern [smaranam], dem Herrn ehrerbietig mit sechzehn Arten von Zubehör Verehrung darzubringen [arcanam], dem Herrn Gebete darzubringen [vandanam], Sein Diener zu werden [dasyam], den Herrn als seinen besten Freund zu betrachten [sakhyam] und Ihm alles hinzugeben (Ihm mit Körper, Geist und Sprache zu dienen) [ātmā-nivedanam] - diese neun Vorgänge werden als reines hingebungsvolles Dienen anerkannt. Wer sein Leben durch die Ausführung dieser neun Vorgänge in den Dienst Kṛṣṇas gestellt hat, sollte als der gelehrteste Mensch angesehen werden, denn er hat vollkommenes Wissen erlangt.” (S.-B. 7.5.23-24)

Diese Abbildung veranschaulicht die drei Pfade des Wissens (karma, jñāna und bhakti) mit den ihnen zugrundeliegenden guṇas (rajas, sattva und visuddha sattva, transzendentale Tugend), mit ihren Zielen, Objekten der Meditation und den Bezeichnungen für die Praktizierenden. Bhakti-yoga, hingebungsvoller Dienst zum Höchsten Herrn, ist in sich vollkommen, d.h. das Ziel und der Vorgang sind eins. Die Frucht von bhakti-yoga ist prema, Liebe zu Kṛṣṇa. Jñānis streben nach mukti (Befreiung) und das Objekt der Meditation ist brahman. Diejenigen, die dem karma-Pfad folgen (karmis), streben nach Sinnenbefriedigung (kāma) auf den höheren Planeten (svargaloka).
Bhaktas und jñānis sind beide Transzendentalisten, da sie nicht an materiellem Genuß interessiert sind wie die karmis und ihr Glück jenseits der Materie suchen. Um in der Transzendenz verankert zu werden (brahman oder parabrahman), muß man die drei guṇas sattva, rajas und tamas überwunden haben. Den jñānis ist auf dieser Abbildung sattva-guṇa zugeordnet, da sie nicht als völlig gereinigt im Bewußtsein (suddha-sattva) betrachtet werden können.

Eine vierte Kategorie von Transzendentalisten sind yogis (hatha-yoga; astanga-yoga). Yogis dieser Kategorie streben nach siddhis (mystische Fähigkeiten) und meditieren über paramātmā, den Überseelenaspekt Gottes im Herzen. Wenn sie sich nicht von māyā, der materiellen Energie, verwirren lassen, können sie in das Königreich Gottes eingehen. Wenn sie jedoch die erworbenen mystischen Fähigkeiten für materiellen Genuß nutzen, fallen sie herunter, d.h. sie werden ein Opfer der illusionierenden Energie des Höchsten Herrn und erreichen die Vollkommenheit nicht.

Menschen, die sich in Unwissenheit darüber befinden, daß sie ewige spirituelle Seelen sind, die immer wieder geboren werden in verschiedenen Formen in der materiellen Welt, solange sie an sie angehaftet sind, versuchen immer wieder die Welt zu verbessern durch Technik, soziale Arrangierungen, Politik, Proteste, Demonstrationen, Revolutionen, Kriege, Ideologien, usw. Diese Versuche werden schon seit Tausenden von Jahren unternommen und genutzt hat es immer nur bestimmten Gruppen von Menschen, nicht aber der Menschheit als Ganzem. Zweifelhafter zeitweiliger Nutzen für bestimmte Gruppen der menschlichen Gesellschaft, das ist alles, was dabei herauskommt. Irgendwelche Leute haben einen materiellen Nutzen von den sog. Verbesserungen und andere haben den Schaden. Nehmen wir z.B. die Ausbeutung der Bodenschätze für Fabriken, Maschinen aller Art, Fahrzeuge, technische Geräte, etc., die das Leben angenehmer machen sollen, usw. Jeder weiß, daß daraus zahllose Probleme entstanden sind, für die Lösungen gesucht und ausprobiert werden, die wieder zu anderen Problemen führen.......

„Einfach leben, hoch denken” und das kurze Menschenleben friedvoll für spirituellen Fortschritt nutzen, ist die Devise der vedischen Kultur. In der vedischen Kultur waren sich die meisten Menschen über karma und Reinkarnation bewußt und verschwendeten ihre kostbare Lebenszeit nicht damit, Fabriken, Maschinen usw. zu bauen, um das Leben angenehmer zu machen. Stattdessen versuchten die Menschen durch fromme Handlungen für ein besseres karma zu sorgen, nach dem Tod auf den himmlischen Planeten wiedergeboren zu werden etc. (karma-kāṇḍa).

Intelligentere Menschen verstehen, daß das keine Lösung für die Hauptprobleme des Lebens - Geburt, Alter, Krankheit und Tod - ist, da ein Lebewesen wieder auf der Erde Geburt nimmt, wenn die Früchte frommer Handlungen aufgezehrt sind. Sie streben nach Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod. Sie möchten aussteigen aus dem Karussell des Lebens. So folgen sie dem jñāna-Pfad.

Noch intelligentere Menschen verstehen, daß auch dieser Pfad keine endgültige Lösung aller Probleme sein kann, da er schwer zu begehen ist und das Erreichen des Ziels ungewiß ist. So geben sie sich dem Höchsten Herrn, Kṛṣṇa, hin und erlangen endgültige Befreiung.

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„Beschäftige deinen Geist immer damit, an Mich zu denken; werde Mein Geweihter; erweise Mir deine Ehrerbietungen und verehre Mich. Wenn du auf diese Weise völlig in Gedanken an Mich versunken bist, wirst du mit Sicherheit zu Mir gelangen.” (B.-g. 9.34)

Caitanya Mahāprabhu - die Form Kṛṣṇas, die vor ca. 500 Jahren in Navadvipa, Bengalen erschien und den saṅkīrtana yajña, das gemeinsame Chanten der Heiligen Namen Gottes als den einzigen Vorgang, durch den man in diesem Zeitalter Liebe zu Kṛṣṇa und Befreiung erlangen kann, etablierte - sagte: „Hingebungsvoller Dienst zu Kṛṣṇa ist Wissen, alles andere ist Unwissenheit”.